Projekt Nr. 4 : ALCID

Oceanolab wurde mit einem neuen Forschungsprojekt mit Schwerpunkt auf bretonischen Algen wiedereröffnet: ALCID.

Veröffentlicht am 12/05/2026.

Algenfelder prägen in der Bretagne sowohl die Meereslandschaften als auch die lokale Wirtschaft. Ihr empfindliches Gleichgewicht ist jedoch durch den Klimawandel und die Ankunft invasiver gebietsfremder Arten stark bedroht. Im Océanolab führen die Wissenschaftler des Projekts ALCID ein neuartiges Experiment durch, um die Entwicklung dieser essenziellen Ökosysteme in den kommenden Jahrzehnten zu hinterfragen.

Algenfelder – für die bretonische Biodiversität unverzichtbar

Die oft wenig beachteten Algenfelder spielen in Wahrheit eine Schlüsselrolle in den marinen Ökosystemen der Bretagne. Als echte Unterwasserwälder bieten sie zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Schutz, Nahrung und Lebensraum.

Einige Makroalgen, wie Himanthalia elongata (Riementang auch Meeresspaghetti genannt) oder Laminaria digitata (Fingertang), stehen im Zentrum lokaler wirtschaftlicher Aktivitäten. Sie werden für die menschliche Ernährung oder in der Industrie genutzt.

Unter ihrem Blätterdach entwickeln sich zudem weitere essbare Algen wie Lappentang (Palmaria palmata), Irisches Moos (Chondrus crispus) oder auch Meerlattich (Ulva sp.).

Wie Céline Liret, Leiterin des wissenschaftlichen Teams von Océanopolis, betont: „Algenfelder sind weit mehr als nur Unterwasserlandschaften. Sie unterstützen die lokale marine Biodiversität und die bretonische Wirtschaft.

Der Klimawandel – eine wachsende Bedrohung

Laut den Prognosen des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) könnte die Temperatur der Ozeane bis 2100 um +2 °C steigen. Ein Umbruch, der bereits heute einige Arten beeinflusst.

In der Bretagne ist der Riementang rückläufig, insbesondere in der Bucht von Brest und im Süden der Region. Er wird allmählich durch Arten ersetzt, die besser an wärmere Gewässer angepasst sind.

Darunter befinden sich auch neu auftretende Algenarten, die das Gleichgewicht der marinen Ökosysteme tiefgreifend verändern werden.

Die japanische Beerentang-Alge: eine invasive Art im Vormarsch

Die japanische Beerentang-Alge (Sargassum muticum) wurde unbeabsichtigt u.a. gemeinsam mit Aquakulturorganismen eingeschleppt und ist heute an den bretonischen Küsten sehr präsent.

Diese invasive, gebietsfremde Art wird lokal nicht genutzt, und ihre Auswirkungen sind noch wenig bekannt. Sie könnte jedoch mit einheimischen Arten konkurrieren und marine Lebensräume verändern.

Das Projekt ALCID: ein einzigartiges Experiment im Océanolab

Vom 11. April bis zum 1. November 2026 arbeiten die Forscher des Projekts ALCID (Algues, Climat, Invasives, Diversité – Algen, Klima, Invasive Arten, Diversität) im Océanolab an einer zentralen Frage: Wie reagieren bretonische Algen auf globale Veränderungen?

Das Wissenschaftsteam von Océanopolis untersucht gemeinsam mit Forschern der UBO (Universität der Westbretagne) zwei wesentliche Faktoren:

  • den Anstieg der Wassertemperatur
  • das Vorkommen der japanischen Beerentang-Alge

Die Wissenschaftler beobachten in kontrollierten Versuchsbassins die Entwicklung der Algen aus biologischer, physiologischer und chemischer Perspektive.

Wie Valérie Stiger, Professorin und Leiterin des Fachbereichs Biologie an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der UBO, erklärt: „Ziel des ALCID-Projekts ist es zu verstehen, wie in Zukunft der Klimawandel […] die bretonischen Algenfelder verändern wird und zu analysieren, welche Rolle dabei die invasiven, gebietsfremden Arten spielen.“

 

Welche Algenarten können Sie hier kennenlernen?

Im Océanolab können die Besucher mehrere emblematische Arten beobachten:

  • Riementang oder Meeresspaghetti (Himanthalia elongata), eine essbare Braunalge
  • Fingertang (Laminaria digitata), eine wirtschaftlich genutzte Braunalge
  • Goldtang (Laminaria ochroleuca), eine Braunalge mit Vorliebe für wärmere Gewässer
  • Beerentang (Sargassum muticum), eine exotische Braunalge
  • Irisches Moos (Chondrus crispus), eine essbare Rotalge
  • Lappentang (Palmaria palmata), eine essbare Rotalge
  • Meerlattich oder Meeressalat (Ulva sp.), eine essbare Grünalge
Welche Ziele verfolgt das Projekt?

Die Aufnahme des ALCID-Projekts im Océanolab verfolgt mehrere Ziele:

  • ökologisch und wirtschaftlich bedeutende Algenarten der bretonischen Küstengebiete bekannt zu machen
  • für den Schutz der Algenfelder in der Bretagne zu sensibilisieren
  • eine nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen zu fördern
  • die Fortschritte der wissenschaftlichen Forschung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um die Auswirkungen globaler Veränderungen besser vorherzusehen und darauf reagieren zu können.
Wer koordiniert das Projekt?
  • Valérie Stiger – Professorin und Leiterin des Fachbereichs Biologie, UFR Sciences et techniques – UBO
  • Thomas Burel – Hochschuldozent – UBO
  • Solène Connan – Hochschuldozentin – UBO
  • Lucie Lerdou – Fachingenieurin – Océanopolis / UBO

WAS IST DAS OCÉANOLAB?

Océanolab ist ein Programm, das von Océanopolis in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Institut für Meeresforschung (IUEM) und der Universität der Westbretagne (UBO) entwickelt wurde. Es zielt darauf ab, Wissenschaftler und Bürger im Rahmen von Forschungsprojekten rund um die Meeresökologie, im Kontext des Klimawandels, der Verschmutzung der Ozeane und des Rückgangs der Biodiversität, zusammenzubringen.

WAS SIND DIE ZIELE VON OCÉANOLAB?

Die Ziele des Océanolab-Programms sind, die „Wissenschaft im Werden“ mit der Öffentlichkeit zu teilen, d.h. wissenschaftliche Arbeiten in Echtzeit über ein Jahr lang in einem dafür geschaffenen Bereich im Herzen von Océanopolis zu präsentieren.

Es geht u.a. darum, in einem Kontext von Desinformation und Vertrauensverlust in die wissenschaftliche Welt, diese besser zu verstehen und das kritische Denken des Publikums zu fördern.

Océanolab ist ein einzigartiges, erstmalig öffentlich zugängliches Forschungslabor.

Océanolab entdecken   

  • Freier Besuch

Ausgerüstet mit einer Binokularlupe und einem Mikroskop können Sie die in einem Becken mit Unterwasserkamera durchgeführten Experimente unter Anleitung eines wissenschaftlichen Guides im Océanolab live miterleben.